Aufgrund der starken Schädigung der Substanz und der akuten Gefahr ist ein Abriss alternativlos.
Zusammen mit dem Landrat und seinem ersten Beigeordneten, der unteren Denkmalbehörde, dem Landesamt für Denkmalschutz, dem Bürgermeister und dem Beigeordneten gab es heute Nachmittag einen zweistündigen Austausch vor dem Frauenhaus am Markt von Stadtlengsfeld.
In einer Darstellung wies Landrat Dr. Michael Brodführer darauf hin, dass die vielen historischen Gebäude in Deutschland und in unserer Region von unseren Vorfahren gebaut wurden und unsere DNA beinhalten. Sie erinnern uns an unsere Geschichte und deren Erhalt sei Aufgabe unserer Gesellschaft. Erörtert wurde, dass es dazu das Sanierungsgebiet in Stadtlengsfeld gebe und seinerzeit Ziele festgeschriebenen wurden. Das Sanierungsziel sei in Stadtlengsfeld mit der Neugestaltung des Marktes zwar angefangen aber nicht beendet worden. Es ließ sich vor Ort nicht klären, warum das Frauenhaus nicht in die Sanierung mit einbezogen wurde, zumal das Vorhaben seinerzeit durch die Städtebauförderung abgedeckt war. Besonders tragisch sei aber, dass das Gebäude bereits seit langem im kommunalen Eigentum stehe und die Kommune ihrer Verpflichtung zum Erhalt nicht nachgekommen sei. Der erste Beigeordnete Udo Schilling führte erfolgreiche Sanierungsprojekte in verschiedenen Gemeinden in der Region an und erwähnte auch den SaxenHof in Dermbach. Beide nehmen die Bürger vor Ort in die Pflicht sich für ihre Stadt und ihr Aussehen zu engagieren, damit ein attraktiver Ort geschaffen und erhalten wird, zu dem Leute gerne zurückkehren oder hinzuziehen. Erfolgreiche Beispiele seien Geisa, Möhra, Steinbach und andere.
Constanze Hüther von der Abteilung Praktische Denkmalpflege des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie aus Erfurt gab einen Hintergrund zum Frauenhaus. 2017 wurde das bereits unter Ensembleschutz stehende Gebäude ein Einzeldenkmal. Einerseits aufgrund seines prägenden Stadtbildes, der überragenden Wirkung am Markt, der weiten Sichtbarkeit, andererseits durch seine geschichtliche Bedeutung als durch die Stadt errichtetes Frauenhaus um notleidende Frauen ein Dach über den Kopf zu geben. Von solchen Häusern gebe es in Thüringen sehr wenige Beispiele. Das Erbauungsdatum konnte bisher nicht geklärt werden, fest steht, dass es in Grundrissen aus den Jahren um 1820 bereits eingezeichnet war. Ein historischer Stein trägt die Zahl „1766“. In dem kürzlich erstellten statischen Gutachten ist von einer erheblichen Schädigung der Substanz an der Gebäudeseite oberhalb und einer weitgehenden Schädigung unterhalb die Rede, insbesondere die an das Haus Nummer 4 angrenzende Seite sei akut einsturzgefährdet.
Da ein erheblicher Teil der Bausubstanz ausgetauscht werden müsse gehe dadurch die Denkmaleigenschaft weitestgehend verloren, weswegen die beteiligten Behörden dem von der Gemeinde Dermbach beantragten Abriss zustimmen werden, auch wenn dadurch die Geschichte unwiederbringlich verloren geht. Als Auflage wird einerseits eine Untersuchung geeigneter Holzbalken zur Feststellung des Alters zur Dokumentation gemacht andererseits verpflichtend festgelegt, dass der Gewölbekeller insbesondere aus statischen Gründen zu erhalten ist und später wieder eine Bebauung, die dem Charakter des jetzigen Hauses entspricht, vorgenommen wird. Das genaue Vorgehen ist Sache des Eigentümers (bzw. Gemeinderates), eine Bebauung durch einen Investor sei naheliegend. Landrat Dr. Michael Brodführer sprach hier von einer „Zahnlücke“, die geschlossen werden müsse. Weiterhin ermahnten er und sein Beigeordneter, dass Stadtlengsfeld an seiner Außendarstellung arbeiten müsse, da ein positives Auftreten den Standort attraktiver mache. Auch seien die fortwährenden Zwistigkeiten im Gemeinderat offensichtlich und dem Ansehen der Kommune nicht förderlich.
So wurde einerseits das vielfach gewünschte Ziel die akute Gefahr für die Bürgerinnen und Bürger durch Abriss zu bannen erreicht, andererseits ist ein großes Stück Wehmut dabei, dass ein Teil der Geschichte von Stadtlengsfeld endgültig verloren geht. Die Ereignisse rund um das Frauenhaus müssen Mahnung sein, dass sich solche Situationen nicht wiederholen. Wir müssen uns dafür einsetzen, unser Stadtlengsfeld zu erhalten und die nächsten Jahrzehnte gemeinsam darauf hinarbeiten, dass die vielen Ruinen (weitestgehend) verschwinden, so wie es andere Orte auch geschafft haben.

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